HERSCHEID2025 ■ Links ein Burgerbrater, rechts ein Modegeschäft, weiter hinten ein Kino und daneben ein Basketballplatz. So würden die Herscheider gerne ihre Heimatgemeinde sehen.
Na klar, all diese Wünsche sind nicht umsetzbar. Aber träumen war erlaubt bei der ersten Jugend-Werkstatt - und das machten die 30 Teilnehmer dann auch. Bei mal seichter, mal rockiger Musik, die der Lüdenscheider DJ Basement beisteuerte, wurden die grauen Zellen zu Höchstleistungen angetrieben.
Herauskristallisiert hat sich dabei, dass in Herscheid wohl ein Treffpunkt in den Abendstunden fehlt. "Wenn das Jugendzentrum geschlossen ist, dann gibt es keinen überdachten Platz, an man sich aufhalten kann ohne weggejagt zu werden", moserte ein Teilnehmer. Ideal wäre ein Bistro oder ein Café. Marvin Bloch erzählte beispielsweise vom Café Ko in Altena: "Da kann man abends ganz locker hingegen, reden und Spaß haben." Einen solchen Ort zum Chillen gibt es in Herscheid nicht. Stattdessen muss man für solche Unternehmungen nach Lüdenscheid fahren und ist auf den Bus angewiesen. "Der Nachtbus könnte ruhig mal etwas später fahren. Immer wenn es am besten ist, muss ich abhauen", kritisierte ein Junge und erhielt Zustimmung seiner Diskussionspartner.
Eigentlich, da war man sich einig, ist Herscheid ja auch gar nicht schlecht. Die Natur, die Vereinslandschaft, das Gemeinschaftsgefühl - all das wurde gelobt. Anlaufpunkt Nummer eins und allseits geschätzt wird das Freibad. Doch auch hier sahen manche Verbesserungsbedarf: Eine große Rutsche wäre schon cool. "Und eine Überdachung, damit man auch im Winter schwimmen kann", meinte Elif Yaman.
Attraktiver werden soll nach Meinung der Jugendlichen auch das Dorf. Eine kleine Einkaufszeile mit New Yorker, Mc Donalds, Kino und einer Schrauber-Werkstatt für Jugendliche wurde vorgeschlagen. Sportlich soll es zudem zugehen: Skaterlandschaft, Basketballplatz, Zeltplatz, Kartbahn und erhöhter Ballfangzaun an der Kleinsportanlage am Rahlenberg fanden sich auf den Wunschzetteln auf den Pinnwänden wieder.
Hört sich alles nach viel Trubel und einem Hauch von Großstadt an - doch genau das wollen die Herscheider nicht. "Ich finde es hier gerade deshalb so gut, weil es überschaubar ist", betonte Lukas Sauerland. Sein Gegenüber ergänzte: "Hier kann man noch völlig angstfrei leben." Das Vorurteil, Herscheid sei ja eh nur ein Dorf, in dem viele Hinterwäldler leben, sahen einige Jugendliche zwar kritisch. Andere wollten dieser Meinung nicht viel Bedeutung beimessen. "Wir kommen vom Land - und das ist auch gut so", meint Ramona Hesse.
All diese Anregungen, ganz gleich ob realistisch oder surreal, werden von der Gemeinde ernst genommen. Sie fließen mit ein in das Konzept "Herscheid 2025". An der zukünftigen Gestaltung der Gemeinde soll die Jugend damit teilhaben. Bürgermeister Uwe Schmalenbach hatte bei der Werkstatt einige Punkte notiert, die auf jeden Fall vertieft werden sollten. "Mc Donalds oder New Yorker dürften allerdings schon schwieriger werden", vermutete das Gemeinde-Oberhaupt. ■ käptn dirk
© 2012 Süderländer Tageblatt, Plettenberg
Kommentar hinzufügen