SÜßHAUSEN ■ Es ist eine Art Kindertraum. Wer würde nicht gerne in einem Supermarkt eingeschlossen werden, um über Nacht alle Leckereien testen zu können? Genau das, nur noch eine Spur besser, erlebte Inside bei der fabulösen Süßigkeitenmesse.
Wobei, Süßigkeitenmesse ist der falsche Ausdruck. Der Fachbegriff lautet, ganz in Neudeutsch, "The future of sweets". Diese weltweit größte Ausstellung ist eigentlich nur für Fachpublikum gedacht. Doch Inside durfte für einen Tag Mäuschen spielen - und Ihr wisst ja, Mäuschen können bei süßen Naschereien einfach nicht nein sagen.
Schon Tage zuvor hatten wir bei uns im Blättchen über die Messe gelesen, dass es dort unter anderem Oliven in dunkler Schokolade gibt. Eine solche Delikatesse wollten wir unbedingt auch kosten. Wir machten uns also in der Messe auf die Suche nach meiner Schoko-Olive - um es vorweg zu nehmen, sie blieb unentdeckt. Kein Wunder, immerhin befanden sich in den Hallen über 1 400 Anbieter - die Suche nach der Olive glich also der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.
Doch wir wollen uns an dieser Stelle nicht beschweren, auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil war der Ausflug nach Köln ein exotisches Abenteuer: Wir haben Süßigkeiten erlebt, die es in normalen Supermarktregalen wohl niemals geben wird. Ein Beispiel gefällig: Schokolade gibts hier in den verschiedensten Geschmacksnoten. Mit Gewürzen, exotischen Früchten, mit Steckrübe oder auch mit Lakritz. Ganz ehrlich: Manches ist nicht nur von der Zusammenstellung, sondern auch vom Geschmack her ungewöhnlich.
Besonders eindrucksvoll in puncto Schokolade war der Stand eines Herstellers, der einen überdimensionalen Schokovulkan aufgebaut hatte - verführerisch und eindrucksvoll. Doch genau das scheint ein Trend bei Süßigkeiten zu sein: Auf das Drumherum, auf die Verpackung, kommt es an. Kleine Pralinen in verspielten Gewändern, Schokofischchen im Goldfischglas oder Bonbons aus Drehautomaten. Das Naschen soll anscheinend zum Event werden.
Entsprechend aufwendig waren auch manche Stände gestaltet. Unübertroffen das rosane Häuschen aus Schweinespeck. Oder die riesige Limousine mit den Veggie-Häschen. Die verteilten übrigens Gummibärchen ohne tierische Gelatine. Ein völlig neues Gewand hat hingegen ein bekannter Zwieback-Hersteller erhalten: Der präsentierte sich zwar auch mit dem seit Jahrzehnten lächelnden Wonneproppen-Grinsen, aber vorrangig mit Menschen in Trachten.
Den wohl abgefahrensten Job bei der Süßwarenmesse hatte der Eismann im Untergeschoss: Er konnte nämlich Eissorten in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen kreieren. Wirklich alle? "Nur bei sehr weichen Inhaltsstoffen wird es schwierig", erklärte uns der lachende Eisexperte. Unser Wunsch Gummibärchen und Fleischwurst war daher nicht realisierbar. Stattdessen erhielten wir die Mischung Erdbeer-Chili - und die brannte höllisch. Das war ein absolutes Kontrastprogramm zu dem, was uns am Stand einer fröhlichen Holländerin angeboten wurde: Dort gab es Gummischnüre, wie einst vom Bäcker nebenan, nur bitterer.
Wir kämpften uns über die Gänge und glaubt uns, es war nicht immer leicht. Cracker mit Seealge beispielsweise waren vollkommen ungenießbar. Gewöhnungsbedürftig, aber gar nicht sooo übel waren die Naturchips; diese entpuppten sich als getrocknete Rote Bete-Scheiben. Vollkommen anders schmeckt Schokolade ohne Allergene. Die wird unter anderem auf Reisbasis zubereitet - und schmeckt demnach auch gar nicht so wirklich nach Schoko, wie man sie von der lila Kuh kennt.
Kurzum: Wir haben Saures getestet und neue Formen der Schokolade kennengelernt. Wir knusperten Dinge aus dem Meer und schleckten das feurigste Eis der Welt. Resultat: Nach knapp dreieinhalb Stunden hatte sich all das in unseren Bäuchen miteinander verbunden und uns war echt schlecht. War wohl doch ein wenig viel auf einmal. Daher gabs zum Abendessen Mineralwasser (ohne Geschmack) und ne ordentliche Schnitte Brot mit Leberwurst, das tat gut. ■ käptn dirk
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© 2012 Süderländer Tageblatt, Plettenberg
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